

Glockenbacherblues im November 2008
privat natürlich niemals gekauft haben, möchte ich nicht mehr missen. Ja, so eine Krise ist doch wirklich etwas feines, da rückt man gleich wieder näher zusammen und kuschelt, denn die nächste Heizkostenabrechnung kommt bestimmt.
Apropos kuscheln: während die Welt gebannt auf hysterische Börsenheinis starrte, die immer noch nicht kapieren mögen, dass sie ihren Lieblingsspielplatz selbst in eine Hundehaufenwiese verwandelt haben, konnte sich in Bayern die erste Koalitionsregierung seit Heinrich dem Löwen zusammenfinden. Wer tatsächlich gespannt war, wie sich der stärkste Kontrast zu schwarz mit dem Stoiber´schen Nachlass verträgt, kam allerdings nicht auf seine Kosten. Denn mal ehrlich: wenn Sie wenig gelbe Farbe in viel schwarze reinschütten, kommt sicherlich kein Rosa dabei raus. Obwohl ja schon zu hoffen ist, dass die schwule liberale Landtagsriege sich nicht bis auf die Knochen blamieren mag. Aber meine Herren: mit dem Öffnen von Standesämtern für Verpartnerung allein ist es wirklich nicht getan, das fordert ja sogar schon die CSU selber. Da müssen sie sich schon ein bisserl mehr einfallen lassen. Genau so wie alle anderen. Denn wenn uns die Entwicklungen der letzten Wochen eines zeigen, dann dies: das Lagerdenken und die gute alte rechts-links-Logik können wir uns endgültig abschminken. Und das ist mal wirklich gut so. Denn nichts lähmt mehr als das trügerische Gefühl, eh’ schon alles im Vorfeld zu wissen. Die Demokratur in Bayern ist zu Ende gegangen, die bürgerliche Selbstbestimmung hat einen überfälligen Sieg errungen. Für die Szene bedeutet das, dass wir auf unabsehbare Zeit nicht mehr nur auf die tradiert homofreundlichen Parteien setzen können. Lesben und Schwule, die sich selbst eher im bürgerlichen Lager sehen, haben Möglichkeiten zur politischen Betätigung gefunden, die in einem Landtag ohne echten politischen Wettbewerb nicht vorstellbar waren. Und wenn sich irgendwer mit Diversity und bunten Verhältnissen tatsächlich auskennt, dann doch wohl wir. Hier liegt eine echte Chance, mit all unserer Bandbreite Gesellschaftspolitisch auch jenseits der Großstädte etwas zu bewirken.
Ich bin Sarah Jäckel, wünsche Ihnen einen krisenarmen November –und viel Spaß beim kuscheln mit wem und woch auch immer.























