


v.l.n.r.: Dr. Ludwig Spänle (CSU), Adelheid Rupp (SPD), Moderator Christian Vorländer, Thomas Bach (Vida AG) und Daniel Lang (Lambda Bayern).
"Toleranz und so was..."
von Bernd Müller
Noch immer ist es keineswegs selbstverständlich, dass CSU-Politiker auf einem schwul-lesbischen Podium Platz nehmen. Umso schöner, dass der CSU-Landtagsabgeordnete Dr. Ludwig Spänle der Einladung der beiden Veranstalter Stefan Bach (Vida AG) und André Puchta (Xerberus Consulting) zur Podiumsdiskussion "Liberalitas Bavariae – wie liberal ist Bayern wirklich?" folgte – auch wenn er von der queeren Ausrichtung der Veranstaltung offenbar überrascht war. Anders ist es nicht zu erklären, dass er sich auf die Frage nach den Inhalten des neuen CSU-Grundsatzprogramms homosexuelles Leben betreffend nicht mehr zu antworten wusste als: "Toleranz, Akzeptanz und so..."
Spänle musste sich vor allem für die Verweigerungshaltung seiner Partei gleichgeschlechtlichen Lebensweisen gegenüber verantworten. Dabei verwies er zwar auf die liberale Linie der München-CSU, die sich in ganz Bayern erst langsam durchsetzen ließe, machte aber auch klar, dass weltanschauliche Aspekte in den gesellschaftspolitischen Leitbildern seiner Partei fest verankert seien. Am Primat von Ehe und Familie sei nicht zu rütteln, auch wenn alle anderen Formen des Zusammenlebens "gleichermaßen akzeptiert" würden.
Bayern noch immer das Schlusslicht
Auch Landtagskollegin Adelheid Rupp (SPD) konnte ihn nicht aus der Reserve locken. Sie fand, obwohl prinzipiell streitlustig, an diesem Abend in Spänle keinen Widerpart und beschränkte sich darauf, die Leistungen ihrer Partei darzustellen, auch wenn diese Programmatik "hart erkämpft" werden musste. Rupp forderte eine völlige Gleichstellung der Eingetragenen Lebenspartnerschaft sowie die Abschaffung der Notariatslösung. "Bayern ist in dieser Hinsicht noch immer das Schlusslicht aller deutschen Bundesländer."
Der Staat unternimmt wenig bis nichts
Stefan Bach als Vertreter des schwulen Managements berichtete vom Outing in der Geschäftswelt: Noch immer sei es eine Gratwanderung, die wohl überlegt und von der jeweiligen Branche abhängig gemacht werden müsse. Nicht umsonst sei ihm kein Outing eines Führungsmanagers bekannt.
Daniel Lang berichtete von den Probelem homosexueller Jugendlicher: Der Staat unternehme "wenig bis nichts", um Probleme auf den Schulhöfen zu verhindern. Er forderte Unterrichtsmaterialien, die queeres Leben berücksichtigen sowie Fortbildungen für Eltern und Lehrer. Unterstützung bekam er von der Vorsitzenden des Bayerischen Elternverbandes Isabell Zacharias: "In den Schulen wurde noch nie versucht, etwas zu bewegen", bemängelte sie und rief die Landesregierung auf, eine "offensive Kampagne" für Lehrer, Schüler und Eltern zu starten.
"Das muss man mal sehen..."
Ludwig Spänle, an dessen Adresse sich diese Aufforderung richtete, reagierte auch in dieser Hinsicht zögerlich: "Das muss man mal sehen", lautete der Satz, der ihm an diesem Abend mehrfach über die Lippen kam. Immerhin: er wolle das Bildungsthema aufreifen, die Notariatslösung überdenken und für eine Umsetzung des Gesetzes zur Eingetragenen Lebenspartnerschaft in allen Folgebereichen eintreten. Alles unter dem Vorbehalt seiner Wiederwahl, versteht sich.
Fazit: Der angekündigte Diskussionsabend war eher ein Informationsabend. Gestritten wurde nicht, auch wirklich Neues war vom Podium nicht zu erfahren. Die circa 60 Gäste machten sich mit vielen Eindrücken aber ohne Erkenntnisse auf den Heimweg.






















