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Kommentare
Schwere Zeiten
für chronisch Kranke
danke ! gute reaktion . erspart euch wohl einiges ...
Schwere Zeiten
für chronisch Kranke
sehe gerade dass nur die epaper version ...
Schwere Zeiten
für chronisch Kranke
muss mich marcinek leider anschliessen. das sieht ...
Schwere Zeiten
für chronisch Kranke
Dieses Titelblatt ist ja wohl nicht euer ...
Fauler Hüttenzauber?
So ein Affentheater! Die Bude stört ...
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30.10.08 / 16:26

Prominentestes Gesicht der

Keine endgültige Meinung

 

Frau Pauli, beim politischen Aschermittwoch der CSU im Februar 2007 wurden Sie lauthals ausgepfiffen. Wann haben Sie eigentlich innerlich mit der Partei abgeschlossen?

Die besagte Veranstaltung war für mich schwer. Ich hatte nicht mit solch heftigen Emotionen gerechnet, aber ich wusste ja, dass diese von der Parteiführung massiv geschürt worden waren. Der innere Bruch kam erst ein halbes Jahr später, nach dem Parteitag. Ich hatte mich um den CSU-Vorsitz beworben, in der Hoffnung, die Partei erneuern zu können. Doch meine Kritik, dass die CSU sich von den Menschen entfernt hatte, wollten nur wenige wahrhaben. So musste ich erkennen, dass vernünftige Politik in dieser Partei nicht mehr zu machen war und habe die Konsequenzen gezogen.

 

Die neu im Landtag vertretene Freie-Wähler-Fraktion, der Sie auch angehören, hat nach der Wahl mit der CSU aber über eine Regierungsbildung verhandelt. Woran ist diese eigentlich gescheitert?

Das war ja nur ein einziges Gespräch. Ich denke, die CSU hatte sich schon vorher auf eine schwarz-gelbe Koalition festgelegt, sie wollten uns nicht auch noch durch eine Regierungsbeteiligung stärken. Die FDP war dann doch der leichtere Partner. Wir Freie Wähler sind nicht einfach mit Posten zu kaufen.Uns geht es zu aller erst um die Themen.

 

Die Freien Wähler haben zur Wahl zwar einen Katalog mit Themenschwerpunkten vorgelegt, doch kein richtiges Programm. Was hat man von Ihrer Fraktion in Zukunft zu erwarten und wie lautet Ihre persönliche politische Agenda?

In manchen Punkten muss die Fraktion natürlich erst zusammenfinden. In unserer ersten, dreitägigen Klausur haben wir uns hauptsächlich mit dem derzeit drängendsten Problem, der Finanzkrise, beschäftigt. Die wirkt sich ja sowohl auf die Landesbank, aber auch auf die Kommunen aus. Ich wundere mich übrigens, woher plötzlich das Geld für die Rettung der Banken kommt. Bisher hieß es, überall müsse gespart werden. Für die Kommunen war nie Geld da. Und die Zustände an Schulen und Universitäten sind eine einzige Zumutung für Kinder und Studenten. 

 

Was wollen Sie da verbessern?

Wir brauchen viel mehr Lehrer und kleinere Klassen. Ich finde es auch sehr wichtig, den immensen Druck von den Schülern zu nehmen. Das G8 wurde überstürzt eingeführt, ohne die Lehrpläne zu überarbeiten. Und die Grundschüler müssen in der vierten Klasse bereits über ihren gesamten zukünftigen Bildungsweg entscheiden, und damit praktisch über ihr ganzes Leben. Das System ist viel zu starr. Ich bin für die Abschaffung der Studiengebühren, Bildung muss kostenfrei sein. Das gilt auch für das letzte Kindergartenjahr.

 

Wie nahe sind die Freien Wähler den Lesben und Schwulen und wo sehen Sie hier Handlungsbedarf?

Ich stehe für eine ehrliche Politik, daher sage ich ganz offen, dass ich mich mit diesem Thema bisher noch nicht eingehender beschäftigt habe. Und ich kann mir auch denken, dass in meiner Fraktion diesbezüglich die Meinungen auseinander gehen. Aber ich lerne ja die Freien Wähler gerade erst kennen. In meinem privaten Umfeld kenne ich Lesben und Schwule und weiß daher um deren Sorgen. Für mich ist jeder Mensch ein Geschenk Gottes und trägt alle göttliche Kraft in sich. Jeder Mensch ist innerlich vollwertig. Homosexuelle dürfen nicht benachteiligt werden. Da sind gesellschaftliche Veränderungen notwendig, aber auch die staatlich sanktionierte Diskriminierung muss endlich beendet werden.

 

Was halten sie von der Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule?

Ich habe bei der Ehe einen ganz anderen Ansatz. Einer meiner Vorschläge ist, die Ehe alle sieben Jahre aktiv zu erneuern. Grundsätzlich bevorzuge ich das französische Zwei-Stufen-Modell. Paare können dabei entweder ihr Zusammensein dokumentieren, das wäre sozusagen eine eingetragene Partnerschaft. Andererseits können sie auch, wenn gewollt, heiraten. Und ich finde, dass allen Paaren, heterosexuellen wie homosexuellen, beide Varianten offen stehen müssen.

Wie stehen Sie zum Adoptionsrecht für schwule und lesbische Paare?

Die Stiefkindadoption ist einfach eine gesellschaftliche Realität. Vor allem anderen ist mir wichtig, dass es den Kindern gut geht. Dies ist für mich generell die Prämisse in der Familienpolitik. Da wo Kinder sind, muss in jeder Hinsicht geholfen werden. Das gilt unabhängig von der Beziehungsform die Eltern. Das allgemeine Adoptionsrecht kann ich mir zwar grundsätzlich vorstellen, ich habe mir aber noch keine endgültige Meinung gebildet.

 

Sie waren 18 Jahre Landrätin. Haben Sie sich in dieser Zeit mit schwul-lesbischer Politik beschäftigt?

Man darf nicht vergessen, dass ich CSU-Landrätin war. So wurden diese Themen auch nie an mich herangetragen. In meiner früheren Partei werden politische Inhalte von Oben festgelegt und man ist in der Parteiräson gefangen. Wer da ausbricht, wird massiv unter Druck gesetzt. Abschließend kann ich aber sagen, dass allein schon dieses Interview bei mir viel bewirkt hat. Ich werde mich intensiver mit schwul-lesbischer Politik auseinander setzen.

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